1968

Viet Nam Diskurs –
Die Bühne als politische Anstalt

Politik

Am 5. Juli 1968 feierte im Werkraum der Kammerspiele Peter Weiss’ Stück Viet Nam Diskurs in der Regie von Peter Stein Premiere. Während des Schlussapplauses trat der Schauspieler Wolfgang Neuss an den Bühnenrand und forderte das Publikum auf, für Waffenspenden für den Vietkong zu spenden. An den Ausgängen sammelten die Schauspieler das Geld ein.

Aufführung Viet Nam Diskurs, 1968

Die Reaktionen waren ambivalent, die einen spendeten, andere schrien „Skandal“. Verwaltungsdirektor Rudolf Lehrl verbot daraufhin weitere Spendenaktionen im Anschluss an die Vorstellung in den Räumlichkeiten der Kammerspiele und berief sich auf das Hausrecht. Vor dem Eingang der Kammerspiele sei es aber jedem gestattet, privat zu sammeln. Dies lehnten Peter Stein und das Ensemble, allen voran Wolfgang Neuss, aber ab.



Die Sammlung am Ende sei explizit im Text von Peter Weiss vorgesehen und unbedingt Teil der Inszenierung. Das Verbot der Aktion sei folglich ein direkter Eingriff in die künstlerische Freiheit. Wolfgang Neuss fuhr zurück nach Berlin und ließ der Intendanz telefonisch mitteilen, er weigere sich, die restlichen Vorstellungen zu spielen, wenn am Ende nicht die geplante und geprobte Spendenaktion im Theatersaal stattfinden würde. Nach nur vier Vorstellungen wurde der Viet Nam Diskurs an den Kammerspielen abgesetzt. Am Ende entließ Intendant August Everding den Regisseur Peter Stein frühzeitig im Streit.