1950 – 1961

Theatrale Hexenküche –
Der Werkraum als Laboratorium

Standort

Die Bühne des Werkraums

Es war der Studiogedanke, aus welchem das Werkraumtheater, damals noch in der Augustenstraße, Ende der 1950er Jahre erwuchs. Geboren in den Werkräumen der Schreinerei, wurde das Werkraumtheater für ein besonders interessiertes Publikum zu einem Ort der Veranstaltungen. Hier sollte nun nachts das gezeigt werden, was in den allabendlichen Spielplan eines Theaters am Boulevard nicht so recht passen wollte.

Alfred Erich Sistig, der ehemalige Schauspieldirektor, setzte eine der ersten Studio-Aufführungen durch und erklärte, dass auf dieser speziellen Bühne neue Persönlichkeiten vorgestellt werden sollten – Autoren, Regisseure oder Schauspieler. Das Experiment beinhaltete nun entweder ein innovatives Stück oder neue Schauspieler. Damit sollte mit dem implizierten Konzept eines Laboratoriums dem Studio ein lebendiges Gesicht geben werden.

Diesen Grundsätzen entsprach auch die erste nächtliche Uraufführung im Januar 1956: Leopold Ahlsens Gegenwartsstück Die Bäume stehen draußen – Phileman und Baukis konnte bei der Premiere einen Erfolg für sich verbuchen. Es folgten weitere außergewöhnliche Aufführungen, wie Eugène Ionescos Die Stühle und die deutsche Erstaufführung des Ubu von Alfred Jarry.

Trotz einiger Kontroversen ausgehend von einigen Kritikern, konnte die Idee des Werkraumtheaters erhalten bleiben und so folgte am 15. November 1961 die Eröffnung im neuen Gebäudekomplex der Kammerspiele. Zuvor eine Spielstätte in der Kulissenwerkstatt verwandelte sich diese nicht nur zu einer Probebühne, sondern auch zu einem Werkraumtheater in welchem nun experimentiert, erforscht und beobachtet wurde.

Das Podium

Dass diese Idee bis heute erhalten geblieben ist, zeigt sich an der Konzeption der jetzigen Spielzeit: Der Bühnenbildner Bert Naumann verwandelte den Werkraum in einen Discoballroom ähnlich den Lokalitäten der siebziger und achtziger Jahren in New York, wo beispielsweise Schönheitswettbewerbe der damals erstarkten schwarzen Homosexuellenszene stattfanden. Der Werkraum bleibt daher in der Tradition eines außer, - und ungewöhnlichen Raumes in welchem es zischt, brodelt und kocht.