1995 – 2011

Spielart –
Das Theaterfestival

Kooperation

  • Michael Laub & Charlotte Engelkes: The Solo Project (1995, Werkraum)

  • Forced Entertainment: Speak Bitterness (1997, Werkraum)

  • Adelhard Roidinger: Inorganic Movements (1997, Werkraum)

  • Dood Paard: Chinindrest take-away (2003, Werkraum)

  • Charlotte Engelkes: Sweet (2005, Werkraum)

  • Neco Çelik: Ausgegrenzt (2007, Werkraum)

  • Alvis Hermanis Späte Nachbarn (2009, Werkraum)

  • Alvis Hermanis Späte Nachbarn (2009, Werkraum)

  • Berlin (Bart Baele & Yves Degryse): Tagfish (2011, Werkraum)

  • Jakob und Pieter Ampe: Jake & Pete's Big Reconciliation Attempt for the Disputes from the Past (2011, Werkraum)

  • Romeo Castellucci & Sociètas Raffaello Sanzio: On the concept of the face, regarding the son of god, Vol. 1 (2011, Schauspielhaus)

Bereits seit seinem Entstehen im Jahre 1995 kooperieren die Münchner Kammerspiele mit dem Spielart-Festival. Hierbei wird im Zwei-Jahres-Takt zeitgenössisches, internationales Theater in zwei bis drei Wochen an den verschiedensten Punkten Münchens präsentiert; auf diesem Weg wird eine ganze Stadt bespielt. Im Folgenden finden Sie, in Form von Zitaten und Zusammenfassungen, eine Übersicht der Stücke, die bisher im Rahmen von Spielart an den Kammerspielen aufgeführt wurden:

1. Mou Sen & Xi Ju Che Jian: Die Akte Null (1995, Werkraum)
Die erste unabhängige Theatergruppe Chinas gibt unter der Leitung des systemkritischen Theatermachers Mou Sen einen Einblick in den Alltag im kommunistischen System und versucht mit Äpfeln und Progressivität der dasigen sta(a)tischen Theaterpraxis ein Schnippchen zu schlagen. Das Ergebnis? In der Heimat wird gegen „Die Akte Null“ ein Aufführungsverbot verhängt.

2. Michael Laub & Charlotte Engelkes: The Solo Project (1995, Werkraum)
„My nipple is sticking out. I drove a fork-lift. I worked topless. I went to art school. I worked with children’s theatre. And I also took a medical course and learned how to perform tracheotomy. And there is another scene at the mental hospital. With really simple scenography. Just a chair, a microphone, and me. And all that stuff which runs through the body goes up to the brain. I can´t put things together anymore. Something with the blood sugar also. So I’m just sitting and staring out into space. Yul Brynner. I get thinner and thinner and then I disappear.“
(www.michael-laub.com)

3. Forced Entertainment: Speak Bitterness (1997, Werkraum)
Sieben Menschen legen die ganz großen bis ganz kleinen Sünden wortwörtlich auf den Tisch und kreieren auf diese Weise, was die Gruppe Forced Entertainment eine „litany of wrongdoing“ nennt – Der Zuschauer pendelt hin und her zwischen seinem Status als Beichtvater und Komplizenschaft.

4. Giardini Pensili: Metrodora (1997, Werkraum)
In einer intermedialen, szenisch-musikalischen Performance erinnern der Komponist Roberto Paci Dalò und die Schriftstellerin Isabella Bordoni an den griechischen Experimentalmusiker Demetrio Stratos, der in seiner Schaffenszeit nicht nur musikalische Innovationen sondern auch die heilige Liga aus Kunst und Kultur auf den Plan ruft.

5. Adelhard Roidinger: Inorganic Movements (1997, Werkraum)
Ein sich bewegender Körper produziert virtuelle Klänge. Die Klänge verschmelzen mit Kontrabass, Saxophon und Schlagzeug. Alles fügt sich in einer Videoinstallation. Roidinger verhandelt „das Spannungsverhältnis zwischen realen, virtuellen, analogen und digitalen Klängen“ in bewegten Bildern mit Ton. Das Anorganische wird gebunden und dadurch erfahrbar.

6. Zuideliijk Toneel Hollandia / Johan Simons: Der Fall der Götter (2001, Jutierhalle)
Luchino Visconti gibt die Vorlage und Johan Simons bringt sie auf die Bühne: Die Verfallsgeschichte der opportunistischen Industriellenfamilie von Essenbeck zu Zeiten des Nationalsozialismus.

„Viscontis Leinwandopus warf man die Reduktion des weltpolitischen Stoffs auf ein familiäres Melodram vor. Johan Simons, der damalige Regisseur und Leiter von ZT Hollandia, reißt eine korrupte Welt auf zwischen Melodram und Staatsaktion, verknüpft Macht- und Privatinteresse, Patriotismus und Profitmaximierung. ZT Hollandia macht aus der monumentalen Filmoper eine theatrale Studie über Machtgier und Leidenschaft.“
(ard.de)

7. Dood Paard: Chinindrest take-away (2003, Werkraum)
„With the announcement „I cannot imagine that ...,“ the ensemble Dood Paard from Amsterdam leads us into a world of invented and unthinkable things […] How can you get people to think when they have their heads in the clouds and their cell phones stuck to their ears? Things will be discussed that rock the world, personal experiences, things involving economics, politics and democracy, but also topics such as fear, love and food.“ (SpielArt)

8. Charlotte Engelkes: Sweet (2005, Werkraum)
„If I drop something while I'm falling leave it on the street – nothing can be as sweet as a loss of a memory“
(charlotteengelkes.com)

„She's the director's wife and everything is a question of timing. Especially when you are stuck in a birthday surprise cake, waiting for the perfect moment to pop up. Thus traumatized it's no surprise at all that soon she starts a worldwide campaign to fight the sugar-conspiracy.“
(charlo tteengelkes.com)

9. Neco Çelik: Ausgegrenzt (2007, Werkraum)
Vier Regisseure geben Nachwuchstalenten die Chance, im Rahmen des Spielart-Festivals einen Theaterabend zu füllen. Der von Johan Simons gewählte Neco Çelik inszeniert Xavier Durringers Credo für eine multikulturelle Gesellschaft:

»Alle brüllten zu Hause. Alle küssten sich. Ich stand auf der Motorhaube und ließ die Fahne peitschen. [...] Ich dachte es wäre möglich. Dass wir auf einmal alle Barrieren abgebaut hätten, soziale, politische, religiöse. Aber es war nur ein Fußballspiel.«

10. Alvis Hermanis Späte Nachbarn (2009, Werkraum)
Jung und Nüsse sind Erzähler und Spieler in einem. Was sie tun illustriert als bis zum Exzess ausgemalter Bilderbogen vier klägliche Existenzen, die im eigentlichen Stillstand der täglichen Routine eine kurze verblüffende Bewegung erleben, um dann endgültig, die eine sogleich, die anderen irgendwann, dem Grab zu verfallen.“
(Süddeutsche Zeitung)

„Ein spaßiger Abend über tieftraurige Seelen. Einmal mehr war zu erleben, wie menschliche Handicaps, Seelennöte, Psychomacken zum Lachen reizen. Und wie begeistert Schauspieler in Schrullen baden, da Gesten erfinden, dort Stimmbänder zerren.“
(Frankfurter Rundschau)

11. Röggla / Leopold von Verschuer: publikumsberatung (2009, Schauspielhaus / Glasspitz)
Wir würden gerne alles optimieren, das Möglichste erreichen (gerne auch ein bisschen mehr), der Superlativ sein – und das in sämtlichen Lebensbereichen. Erfolg dient uns als Maxime allen Handelns, allen Seins. In der Max-imiliansstraße stellen Kathrin Röggla und Leopold von Verschuer die Frage, was einen Zuschauer zum erfolgreichen Zuschauer macht – und ob wir uns da wirklich den richtigen Handlungsantrieb ausgesucht haben.

12. Berlin (Bart Baele & Yves Degryse): Tagfish (2011, Werkraum)
Sechs Männer und ein Scheich debattieren über die Zukunft des UNESCO-Welterbes Zollverein, „der schönsten Zeche der Welt“ – diese möchte der Scheich nämlich gerne käuflich erwerben. Der Fall ist echt, die Beteiligten sind echt, nur die Konferenz, die Bart Baele und Yves Degryse hier präsentieren, die ist Kunst. Vier Monate nach der Performance gehören dem Scheich bereits 31.500qm des Geländes.

13. Jakob und Pieter Ampe: Jake & Pete's Big Reconciliation Attempt for the Disputes from the Past (2011, Werkraum)
Im Rahmen des Mentorenprojekts CONNECT CONNECT ruft Alain Platel das Geschwisterpaar Jakob und Peter Ampe auf den Plan. Die beiden Brüder rollen bei ihrer Performance ihre gemeinsame Vergangenheit auf – und das mit den Mitteln, die sie am jeweils am Besten beherrschen: beim einen die Sprache, beim anderen die Bewegung.

14. Romeo Castellucci & Sociètas Raffaello Sanzio: On the concept of the face, regarding the son of god, Vol. 1 (2011, Schauspielhaus)
„In diesem Stück wird der Blick Jesu zum Scheinwerfer, der die Geschehnisse auf der Bühne in wechselhaftes Licht taucht. Das Licht könnte gut oder böse sein, anstößig oder unschuldig. Ich kenne mehr als tausend Maler, die die Hälfte ihres Lebens damit verbracht haben, das naussprechliche, fast unsichtbare Leiden seiner Lippen zu reproduzieren. Jetzt ist er nicht mehr da.“
Romeo Castellucci

„Warum soll ich mir das im Theater anschauen ? Sowas hab ich zuhause und es macht nicht wirklich Spaß. Ich soll mich im Theater nicht entspannen dürfen sondern meine eigene Realität um die Ohren gehauen bekommen ?“
(Kommentar auf der Internetpräsenz der Abendzeitung)