1968

Protest durch Pause –
Protestaktionen in München

Politik

Aufführung der Schwarzen Komödie am 23. Mai 1968

Mai 1968. Es war der Frühling der Studentenrevolte, des Attentates auf Rudi Dutschke, der Ermordung Martin Luther Kings und der Verabschiedung der umstrittenen Notstandsgesetzgebung in der Bundesrepublik. Tausende von Studierenden gingen in Protestmärschen auf die Straßen, besetzten Häuser und Universitäten.

Am Donnerstag, dem 23. Mai 1968, wurde die Vorstellung der Schwarzen Komödie in den Kammerspielen für 10 Minuten unterbrochen. Die Schauspieler und das Bühnenpersonal protestierten gegen die bevorstehende Verabschiedung der Notstandsgesetze. Sie verlasen eine Resolution, in der sie ihre Kollegen an den deutschen Bühnen zu weiteren Warnstreiks aufforderten. Das Publikum der Vorstellung schwankte zwischen frenetischer Zustimmung, Pfiffen und dem Verlassen des Theaters.

Aufführung der Schwarzen Komödie am 23. Mai 1968

Eine Welle von Protestaktionen schwappte aus der Maximilianstraße in die Bundesrepublik, und dem Beispiel der Kammerspiele folgten viele Bühnen wie das Theater Bremen, das Theater im Turm in Frankfurt, die Freie Volksbühne Berlin und die Schaubühne am Halleschen Ufer in Westberlin. Im ganzen Land fanden nach Vorbild der Kammerspiele Diskussionen vor und nach den Theatervorstellungen statt, die Schüler der Falckenberg-Schule protestierten mit einem Unterrichtsstreit, Vorstellungen begannen wegen Debatten erst eine Stunde später, Flugblätter wurden in Programme eingelegt, und vor den Portalen der Theater sammelten Studierende Unterschriften gegen die Bonner Pläne.