1933 – 1945

Inszenierungen zur Nazizeit –
Ein Drama in fünf Akten

Zeitgeschichte

  • William Shakespeares Ein Sommernachtstraum, 1940: Heini Handschumacher als Flaut, Friedrich Domin als Zettel und Walter Lantzsch als Squenz

  • William Shakespeares Ein Sommernachtstraum, 1940: Annemarie Rothe als Titania und Heinrich Sauer als Oberon

  • William Shakespeares Ein Sommernachtstraum, 1940: Ingeborg Fröhlich als Puck

„Die Geschichte der Kammerspiele während der Nazizeit verläuft wie ein schulmäßig gebautes Drama in fünf Akten: Panik, Flucht und Emigration der Prominenten, Verhaftungen, Diskriminierungen bilden das Vorspiel; Desorientierung und Notbehelfe den ersten Akt, an dessen Gründung einer Neuen Kammerspiel-GMBH steht. Im zweiten Akt scheint die Unvereinbarkeit eines Theaters wie die Kammerspiele mit den politischen Gewalten im einzelnen überbrückt, im dritten, 1938, kommt es mit der nachträglichen Machtergreifung der Nazis im Theater zu einem Kampf auf Leben und Tod; im vierten tritt, kurz vor Kriegsbeginn, wieder ein relativ friedlicher, lediglich durch persönliche Kämpfe gestörter Zustand ein; im fünften Akt erleiden die Kammerspiele dann mit dem Brand von 1944 das allgemeine Schicksal: das Schauspielhaus wird Ruine; Schauspieler, Bühnen- und Büropersonal werden in die Rüstungsbetriebe abgeführt.“ (Wolfgang Petzet)

Kurz nach Machtergreifung mussten einige der vielleicht besten und wichtigsten Schauspieler/innen und Theaterfunktionäre aus Deutschland fliehen (Machtergreifung). Die übrig gebliebenen um Otto Falckenberg (Otto Falckenberg) entschlossen sich allerdings gegen eine komplette Emigration des Theaters und versuchten so weiterzumachen, als sei nichts passiert.

Dies verdeutlichte sich auch an Hand des Spielplans der Kammerspiele unmittelbar nach der Machtergreifung 1933. Auf dem Programm standen Komödien wie Charlys Tante von Brandon Thomas, Achtung! Frisch gestrichen! von René Fauchois oder Das schwedische Zündholz von Ludwig Hirschfeld. In den folgenden Spielzeiten nach 1933 überließ die Reichsdramaturgie, die die Aufsicht über sämtliche nationale Theaterspielstätten hatte, die Gestaltung und Durchführung des Spielplans den Theatern. Gelegentlich verhängte sie ein Verbot über einzelne Stücke.

Mit dieser Methode konnte der Reichsdramaturg testen, wie viel NS-Geist in den verschiedenen Dramaturgen steckte. Erst mit der Zeit setzte sich die Reichsdramaturgie dann immer mehr durch und schuf ein neues Theatergesetz, nach dem die Theater eine Meldepflicht für ihre Spielpläne hatten. Einmal im Jahr für den gesamten Spielplan und vor wichtigen Feiertagen wie kirchlichen Feiertagen oder Parteifeiertagen mussten diese an die Reichsdramaturgie geschickt werden. Stücke wie Georg Büchners Dantons Tod durften dann nicht an Nazigedenktagen wie dem 9. November gespielt werden und wurden verboten.

Während des Krieges wurden Stücke von englischen, französischen und generell ausländischen Schriftstellern von den Spielplänen gestrichen. Reichsdramaturg Rainer Schlösser telegrafierte 1939 an Otto Falckenberg, dass er Shakespeare weiterhin spielen könne, da „daß das Verdienst deutscher Dramaturgen, Schauspieler, Übersetzer und Wissenschaftler um Shakespeare uns wohl berechtigt, ihn als Mitbesitz zu betrachten und daher nicht von den sonstigen Rücksichten auf den Kriegsspielplan betreffen zu lasen.“ Shakespeare durfte also weiterhin je nach der militärischen Lage gespielt werden, während „der artfremde Molière nicht wirklich ein Verlust sei.“

Die Reichsdramaturgie schaltete sich nun immer mehr in die Spielplangestaltung der Kammerspiele ein und wichtige Funktionen am Theater wurden immer öfter an Nazis vergeben. In den Jahren bis 1945 standen immer wieder Shakespeare-Stücke wie Ein Wintermärchen, Der Sturm oder Troilus und Cressida aber auch Schiller (Die Räuber, Kabale und Liebe) oder Kleist (Prinz Friedrich von Homburg) auf dem Spielplan. Hans Rehberg („Friedrich Wilhelm I.“) wurde gespielt wie auch Stücke von E.W. Möllers (Rothschild siegt bei Waterloo) oder William Butler Yeat (Das Einhorn von den Sternen). Und dies ist nur eine kleine Auswahl der Stücke, die zur Zeit des Nationalsozialismus gespielt wurden.

Eine spannende Übersicht und die dazugehörigen Programmhefte lassen sich heute im Deutschen Theatermuseum am Hofgarten in München einsehen und studieren.