1912 – 2012

100 Jahre
Münchner Kammerspiele

Info

Wenn ein Theater hundert wird, ist das eine Nummer: Das sind doppelt so viele Spielzeiten, unzählige (Ur-)Aufführungen, Besucher, Proben, Kosten, Millionen Ideen, mehr als ein Dutzend Skandale, viele, viele künstlerische Krisen und Zwischenfälle, da ist viel Politik im Spiel, aber auch viel Erkenntnis, Spiegelung, konstruktiver Disput, Stühle-Rücken und Theaterzauber.

100 Jahre... Wie schreibt man die Geschichte einer Spielstätte, die selbst durch die Geschichte ging, ihr standhielt und sich an ihr rieb, ihr aber immer künstlerisch hochwertig Paroli bot? Man könnte eine Chronik schreiben: von Anno bis Dazumal... Man könnte kluge Reden auf einem Festakt halten... Man könnte, aus heutiger Sicht rückblickend, ein Narrativ entwerfen, es dergestalt entwerfen, dass alles passt, sich als formidable Entwicklungsgeschichte einer deutschen Theatereinrichtung liest...

All das würde indes der bewegten Geschichte der Münchner Kammerspiele nicht gerecht, nicht ihren Turbulenzen, nicht ihren reichen Facetten, in personeller wie künstlerischer Hinsicht. Darin waren sich alle an diesem Projekt Beteiligten von Beginn an einig. Die Website 100 MK beabsichtigt ein etwas anderes Jubiläumsprojekt zu sein, die hundert Jahre zu feiern: Die Geschichte des Hauses ist auch die Geschichte seiner Künstler und Mitarbeiter, ist auch die Geschichte seines Einflusses auf München und seiner Interaktion mit der Stadt, seines Austauschs mit Theater(n) der Welt, ist auch die Geschichte seines Publikums.

Unabhängig von einer Chronologie, von einer linearen Geschichte, von einem festgezurrten Narrativ, möchten wir den Besuchern der Website verschiedene Möglichkeiten bieten, zwischen den Jahren zu mäandern, ihre eigenen Verknüpfungen herzustellen, Linien zu ziehen, Vergleiche anzustellen, Kuriositäten aufzuspüren, persönlichen und kollektiven Erinnerungen nachzuhängen, sprich: ihre eigene Geschichte der Kammerspiele zu schreiben.

100MK.de ist Ergebnis einer konstruktivkreativen Zusammenarbeit dreier Münchner Einrichtungen. Zahlreiche Treffen, zahllosere E-Mail-Korrespondenzen standen zwischen der Idee und Ihrer Umsetzung, die ab dem 12. Oktober online ist. Angeregt durch die Dramaturgie-Abteilung der Kammerspiele (Jeroen Versteele und Sabrina Schmidt) haben Prof. Xuyen Dam, Janina Kaphahn und Julian Schmidt von der Hochschule München, Fakultät für Design, das Konzept der Seite – „100 Schlaglichter auf 100 Jahre Kammerspiele“ entwickelt.

25 Studierende der Theaterwissenschaft München (unter der Leitung von Dr. Nic Leonhardt und Prof. Dr. Christopher Balme) suchten voller Neugierde, mit Lust (und dem ein oder anderen Forscherfrust) in Archiven und Sammlungen, aber auch in Erinnerungen von Theaterschaffenden und -Besuchern alte und ältere Spuren der Kammerspiele. Die Geschichte(n) der Kammerspiele erzählen, aber nicht schnöde chronologisch, Fakten vorstellen, aber nicht mit enzyklopädischem Anspruch, waren unter anderen Prämissen für die Gestaltung der Seite.

Die hier zum Durchstöbern von den Studierenden aufbereiteten Materialien – Texte, Soundfiles, Kritiken, Briefe, behördliche Akten, Fotografien, Filme etc. – entstammen Privatsammlungen von Münchnern und Theaterschaffenden, dem Theatermuseum München, dem Stadtarchiv München und der Monacensia, die wertvolle und stets hilfsbereite Kooperationspartner dieses ehrgeizigen Projektes waren. Wir wünschen viel Freude und viele neue Entdeckungen beim Navigieren durch 100 Jahre MK.

Am Projekt beteiligte Studierende
Sandra Ballas, Sebastian Benesch, Christine Binder-Catana, Lisa Braner, Elsa Büsing, Sarah Clemens, Laila Dambekalna, Marie Franck, Lene Gaiser, Ian Hemmelmann, Ilona Holzmeier, Evelyn James, Philip Klose, Teresa Komann, Dominik Laska, Irene Mair, Jennifer Regnet, Veronika Reinertshofer, Sabine Rösch, Antonia Tretter, Verena Maria Wagner, Antonia Wille, Sarah Wolzen, Nicole Zweckerl.

Mit freundlicher Unterstützung durch den Förderverein der Münchner Kammerspiele.