1947 – 1963

Hans Schweikart – Der
neugierige Fenstergucker

Intendanz

Hans Schweikart

Joachim Kaiser schrieb über Schweikart: „Vielleicht war er der letzte, in dessen Leben und Kunst die Fähigkeit, brillant zu unterhalten, und die Forderung, sich den Anspruch der Kunstwahrheit durch nichts abkaufen zu lassen (durch keinen Effekthunger, durch kein kommerzielles Kleinbeigeben) noch verbunden schienen“

1895 – 1914: Kindheit in Berlin
Hans Schweikart wurde wenige Jahre vor der Wende zum 20. Jahrhundert, am 1. Oktober 1895, in Berlin geboren. Beide Eltern waren aufgrund einer Epidemie taubstumm geworden, so dass Schweikart früh Bekanntschaft mit Menschen der unterschiedlichsten sozialen Schichten machen konnte. In seinem Elternhaus gingen viele durch dasselbe Schicksal Verbundene ein und aus: Von Handwerkern und Arbeitslosen bis zu Adeligen und Baronen. Schweikart entwickelte aus den Erfahrungen seiner Kindheit eine besondere Liebe zur Sprache, einen Sinn für die feinen Töne, für den er später bekannt werden sollte. Nach vier Klassen Bürgerschule besuchte er das Schiller-Realgymnasium Charlottenburg bis 1914, wo er in der Quarta als Dreizehnjähriger als Brutus erste Schauspielerfahrungen sammelte.

1914 – 1923: Der Schauspieler
Dank eines Stipendiums wurde Schweikart neben (kriegsbedingt nur) zwei Jungen und acht Mädchen 1914 Schauspielstudent an der Marie-Seebachschule des Kgl. Schauspielhauses in Berlin. 1915 verließ er Berlin um an Theatern in Wiesbaden, Görlitz, Magdeburg und Köln zu arbeiten. 1918 kehrte er in seine Geburtsstadt zurück und wurde Schauspieler am renommierten Deutschen Theater unter Max Reinhardt. Hier lernte er seine erste Frau kennen, die jüdische Schauspielerin Käthe Nevill, die später nach Palästina auswanderte.

1923 – 1929: Otto Falckenberg
Als Schweikart von Otto Falckenberg zunächst als Schauspieler, dann als Regisseur und stellvertretender Intendant an die Münchner Kammerspiele engagiert wurde, konnte niemand ahnen, dass dies der Beginn einer lebenslangen Beziehung war. Falckenberg sollte der wichtigste Lehrer und Meister werden, dem Schweikart seine Kunst, sein Können verdankt. Diese ersten sechs Jahre an den Kammerspielen wurden zu einer sehr prägenden Zeit für den werdenden Künstler.

1929 – 1938: Der Schauspieler und Regisseur
Nach einigen Jahren in Berlin (am Theater am Schiffbauerdamm), Wien (Volkstheater) und erneut an den Münchner Kammerspielen, wurde Schweikart Oberspielleiter am Residenztheater München, wo er sich mit einem Shakespeare-Zyklus erstmals als Regisseur einen Namen machte.

1938 – 1942: Der Filmschaffende
Anschließend ging er als künstlerischer Leiter zur Bavaria-Filmgesellschaft in München/Geiselgasteig. Als ihr „Hausregisseur“ schuf er eine Reihe von Filmen wie z.B. Befreite Hände (1939), Das Mädchen von Fanö (1940) oder Das Fräulein von Barnhelm (1940). 1942 verließ er die Bavaria, um dem zunehmenden Druck der nationalsozialistischen Filmpolitik zu entgehen. Arbeitete jedoch weiter als Filmregisseur, schrieb Drehbücher, Romane (unter dem Pseudonym Ole Stefani) und Unterhaltungsstücke.

1947 – 1963: Der Intendant
Schweikart wurde von Erich Engel an die Kammerspiele geholt und blieb 16 Jahre ihr Intendant. Unter seiner Leitung wurden die Kammerspiele zu einem der renommiertesten Theater Deutschlands, was vor Allem dem Ensemble geschuldet war, zu dem Schauspieler/innen wie Maria Nicklisch, Friedrich Domin, Erich Ponto und Therese Giehse gehörten. Aber auch Regisseure wie Bertolt Brecht und Fritz Kortner leisteten einen bedeutenden Beitrag.

1963 – 1975: Ruhestand
Auch nach Ende seiner Intendanz hatte Schweikart weiterhin einen Gastvertrag mit den Münchner Kammerspielen als künstlerischer Berater und Regisseur/ Schauspieler, arbeitete zudem als freier Regisseur in ganz Deutschland (u.a. am Berliner Schloßpark-Theater, der Freien Volksbühne Berlin, am Schauspielhaus Hamburg und dem Bayerischen Staatsschauspiel). Schweikart starb am 1. Dezember 1975 in München.