1987

Fußball und Faust –
Vom Rasen auf die Bühne

Portrait

Der Fußballplatz ist schon eine Bühne an sich. 22 Spieler präsentieren sich einem breiten Publikum und inszenieren sich während des Spiels über 90 Minuten selber auf ganz spezielle Art und Weise. Von Selbstinszenierungen vor einem Freistoß, wie es der portugiesische Starkicker Christiano Ronaldo jedes Mal zelebriert, über die kunstvolle Art. sich bei jedem auch noch so kleinen Foul theatralisch über den Rasen zu rollen, bis hin zum perfekt ausgearbeiteten Torjubel: Der Fußballplatz ist eine Art Theater.

Im Jahr 1987 wechselte ein Fußballer jedoch die Bühne. Vom grünen Rasen auf die Bretter, die die Welt bedeuten, nämlich auf die große Theaterbühne der Münchner Kammerspiele. Wie die tz am 30. April 1987 berichtete, tauschte Wolfgang Bauer, Mittelstürmer bei der SpVgg Unterhaching sein Fußballtrikot gegen Theaterkostüme und wirkte bei der Premiere des Faust in den Kammerspielen mit. In kleineren Rollen, z.B. „mit Hörnern, Perücke, greller Schminke und belegter Zunge“ als Teufel oder auch als Soldat überzeugte der Kicker bei seinem Ausflug auf die Theaterbühne.

Ein einmaliger Ausflug? Nein! Denn Bauer sah sich nicht zum Fußballer bestimmt, wie er selber zur tz sagte: „Eigentlich bin ich gar kein Fußballspieler. Irgendwie hat mich mein Talent zu diesem Sport reingetrieben, ohne dass ich das wollte“. Viel mehr war er zum Theater hingezogen und zum Beruf des Schauspielers. Und aus dem einmaligen Ausflug vom Fußballplatz auf die Theaterbühne wurde eine grandiose Schauspielkarriere. Neben unzähligen Theaterrollen unter so bekannten Regisseuren wie Leander Haußmann oder Robert Wilson, spielte Bauer auch in verschiedensten Fernsehproduktionen (u.a. Tatort und Siska). Zudem arbeitet er als Autor und Regisseur.

„Der Blick muss über den Fußballplatz hinaus gehen“, sagte Bauer damals zur tz. Sein Blick ging Richtung Theater. Und das Experiment vom Rasen auf die Bühne hat sich für Wolfgang Maria Bauer definitiv gelohnt. Es begann auf der Bühne der Kammerspiele.