1988

Faust sucht Pudel –
Bühnenhund braucht Verstärkung

Anekdote

Gesucht: schwarzer Pudel mit Theaterambitionen. Am besten klein, agil und sportlich. Und Fan von Dr. Faust. So ähnlich lautete am 1. Februar 1988 ein Aufruf der Kammerspiele in der Münchner tz. Unter dem Titel „Tinka schafft's allein nicht mehr: Dr. Faust sucht einen zweiten Pudel“ veröffentlichte die Lokalredaktion eine Art Casting-Aufruf.

Der bisherige Pudel Tinka musste jeden Monat zwei- bis sechsmal abends auf der Bühne stehen, um im Stück den Gelehrten in seiner Studierstube aufzusuchen. Die Aufgabe: eine recht stele Treppe hinunterlaufen, ein bisschen rumschnuppern und dann über die Treppe zur Unterbühne verschwinden. Klingt leicht, ist es für einen Pudel auch. Zumindest am Anfang. Pudel Tinka nämlich hatte irgendwann keine Lust mehr - und erschien bei einer Aufführung 1988 einfach nicht auf der Bühne.

Waren es schon Starallüren? Das hatte der Hund nicht verraten - und so forschten die Kammerspiele auch nicht weiter nach den Ursachen, sondern nach einem Ersatz. Mini-Zwergpudel Tinka war einige Monate zuvor bereits via tz-Aktion gefunden worden. Also warum nicht erneut eine Art Casting-Aufruf? Und so fragte die tz: „Wo gibt es in München einen schwarzen Pudel, der Theaterluft schnuppern will?“ Und Tinka selbst? Über ihre Karriere ist leider nichts mehr bekannt...