1913 – 1916

Erich Ziegel – Schauspieler,
Theaterdirektor, Mentor

Intendanz

Erich Ziegel

Geboren wurde Erich Ziegel am 26. August 1876 in Schwerin. Seine Schauspiel­karriere begann 1894 am Hoftheater in Meinigen und setzte sich fort in Lübeck und Breslau, wo er von 1906 bis 1909 ein Literarisches Sommertheater leitete. 1913 wurde er zunächst Schauspieler an den Münchner Kammerspielen unter Eugen Robert, nach dessen Entlassung, nach nur sechs Wochen am Haus, zum Direktor, dank einer sehr erfolgreichen ersten Inszenierung von Strindbergs Kameraden.

Nach einem schwierigen Anfang – Eugen Robert versuchte weiterhin wieder als Direktor eingesetzt zu werden –, steigerte Ziegel die Produktionsgeschwindigkeit, so dass nahezu alle 14 Tage eine Premiere gefeiert werden konnte. Zwischen dem 6. September 1913 und dem 29. Juli 1914 lassen sich 29 Premieren verzeichnen. Bei 15 davon führte er Regie, in 12 wirkte er als Schauspieler mit. Trotz dieses Pensums blieb der ganz große Erfolg aus.

Als er 1916 die Kammerspiele verließ, um einem Schicksal wie Eugen Robert zu entgehen, wurde er Regisseur am Hamburger Thalia Theater. Dort blieb er zwei Jahre und gründete 1918 die Hamburger Kammerspiele, die zu einem der bedeutendsten deutschen Theater der zwanziger Jahre wurden und sich vor allem durch einen modernen Spielplan und ein hervorragendes Ensemble auszeichneten. Ziegel zeigte sich in besonderer Weise als Förderer von jungen Theaterschaffenden, z.B. von Erich Engel, Fritz Kortner, Gustaf Gründgens, Erika Meingast oder Hans Otto.

Von 1926 bis 1928 übernahm er die Leitung des Deutschen Schauspielhauses Hamburg und von 1932 bis 1934 das Hamburger Thalia Theater. Ab 1935 arbeitete er als Regisseur und Schauspieler in Wien am Theater Die Insel. Dort versuchten er und seine Frau Mirjam Horwitz dauerhaft zu bleiben, doch dies sollte nicht gelingen. Gustaf Gründgens engagierte ihn glücklicherweise als Schauspieler, Regisseur und Dramaturgen ans Berliner Staatstheater und konnte so Ziegels jüdische Frau vor dem Zugriff der Nationalsozialisten schützen.

Am 30. November 1950 starb Erich Ziegel in München. Er liegt zusammen mit seiner Frau auf dem Friedhof Ohlsdorf begraben.