1945 – 1947

Erich Engel – Der erste Nachkriegs-
intendant der Kammerspiele

Intendanz

Portrait von Hans Schürer, 1946

Über Erich Engel schreibt Wolfgang Drews in seinem Nachruf: „Er war ein Mann der geistigen Klarheit und der spielerischen Grazie. […] Fünfzig Jahre wirkte Erich Engel als Vertreter und Verteidiger der Klarheit und Wahrheit, Feind allem Nebligem und Wolkigem.“ (FAZ, 12. Mai 1966)

Geboren wurde Engel am 14. Februar 1891 als Sohn eines Kaufmanns in Hamburg. Dort durchlief er auf Wunsch seines Vaters eine Schauspielausbildung bei Leopold Jeßner am Thalia Theater und arbeitete dort nach einigen kleineren Engagements als Dramaturg. Dass seine Zukunft im Inszenieren liegen werde, zeichnete sich in den Jahren nach dem ersten Weltkrieg ab, als er mit Inszenierungen am Hamburger Schauspielhaus, an den Hamburger Kammerspielen (wo Erich Ziegel Spielleiter war), am Bayerischen Staatsschauspiel (1923 mit der Inszenierung von Brechts Im Dickicht der Städte mit Caspar Neher) und am Deutschen Theater Berlin unter Max Reinhardt Aufsehen erregte. Unter seiner Leitung wurde 1928 die Dreigroschenoper am Theater am Schiffbauerdamm uraufgeführt, er avancierte schließlich zum führenden Brecht-Spezialisten seiner Zeit.

Nach der Machtergreifung 1933 wich er zum Film aus, inszenierte vornehmlich Unterhaltungsfilme und arbeitete zusätzlich ab 1935 immer wieder am Deutschen Theater Berlin. Beharrlich entsagte er allen Intendanzposten, die ihm unter der Naziherrschaft angeboten wurden. Erst nach 1945 entschloss er sich, eine solche Stelle zu bekleiden: an den Münchner Kammerspielen. Dort legte er durch einen ambitionierten Spielplan mit Schwerpunkt auf modernen Autoren und der Bildung eines exzellenten Ensembles (dem unter anderem Maria Nicklisch, Friedrich Domin, Ulrich Beiger, Maria Koppenhörer, Peter Pasetti, Paul Dahlke, Peter Lühr angehörten) den Grundstein für die späteren Erfolge der Kammerspiele.

1947 verließ Engel München, da er nicht mehr als Intendant arbeiten wollte und nach eigener Aussage ein „leicht migrantisches Gefühl“ nie losgeworden ist. Sein Interesse an neuen, revolutionären Möglichkeiten, die er in München für sich nicht gegeben sah, führte ihn wieder in den Norden. Ab 1949 arbeitete er mit Brecht am Berliner Ensemble zusammen und wurde 1957 Mitglied in dessen künstlerischer Leitung, zeitweise auch Chefregisseur. Erich Engel starb am 10. Mai 1966 in Berlin.