1900 – 1901

Der Jugendstil –
Richard Riemerschmid und die MK

Standort

  • Münchner Kammerspiele, Schauspielhaus Foyer

  • Münchner Kammerspiele, Schauspielhaus Foyer

  • Münchner Kammerspiele, Schauspielhaus Foyer mit Decke

  • Münchner Kammerspiele, Schauspielhaus Zuschauerraum Innen

  • Münchner Kammerspiele, Schauspielhaus Zuschauerraum von Unten

  • Münchner Kammerspiele, Schauspielhaus außen

Die Münchner Kammerspiele im Schauspielhaus sind neben dem Stadttheater Cottbus das einzige erhaltene Jugendstil-Theater in Deutschland. Durch den Eingang in der Maximilianstraße 26/28 betritt der Besucher das Theater, das zwischen 1900 und 1901 von dem Architekten Max Littmann erbaut wurde. Im Auftrag von Carl Riemerschmid baute er ein Privattheater mit damals modernster Bühnentechnik.

Versteckt hinter Friedrich Bürkleins neugotisch inspirierter, vertikal betonter Fassade, dem sogenannten „Riemerschmid–Block“, erschuf Richard Riemerschmid dann mit der Innenausstattung des damaligen Privattheaters 1901 ein Juwel des Jugendstils, das seit 1926 das Zuhause der Münchner Kammerspiele ist. Richard Riemerschmid stammte aus einer Dynastie reicher Spirituosenfabrikanten, die es ihm als Grundeigentümer des 'Riemerschmid–Blocks' und als Kunstmäzene ermöglichten, das Theater seiner Träume zu erbauen.

Schon früh interessierte sich der 1868 in München geborene Richard für die Kunst und studierte 1888–1890 Malerei an der Akademie der Bildenden Künste in München. Schnell wuchs sein Interesse an Architektur, Kunsthandwerk, der Reformbewegung und der neuen Kunstrichtung des Jugendstils. 1898 wurde er Mitbegründer der Vereinigten Werkstätten für Kunst und Handwerk in München.

Wenn der Zuschauer das Schauspielhaus durch die roten, elegant geschwungenen Türen betritt, wird sein Blick auf die schönen Formen und warmen Farben des historischen Foyers gelenkt. Riemerschmid ließ seiner Phantasie freien Lauf und verwendete viele seiner selbstentworfenen Textildesigns in der Wand- und Deckengestaltung. Die Garderobengänge in hellgrün bestechen zum Beispiel mit veilchenblauen Ornamenten und die Kassenhalle mit hellroten Blattmotiven. Während die Außenfassade von harten Kanten geprägt ist, sucht man diese vergeblich im Innenraum.

Stattdessen findet man viele schwingende Linien wie zum Beispiel in den Nebenräumen und im Foyer. Dort gelang es Riemerschmid, mit seiner Mörtelputz-Modellierung neue skulpturale Formen zu schaffen. Den Zuschauerraum gestaltete er mit nur 757 Sitzen im Vergleich zur Bühne eher klein und intim. Der Besucher findet seinen Platz in einer zweigeschossigen „gemuldeten Schale“ (Parterre und Rang mit Logen) oder in einer der vier Proszeniumslogen. In den Zuschauerräumen zaubern die hellroten Wände und die lichtgrüne Decke mit Golddekor eine festliche Stimmung.

Der in den Kammerspielen dargestellte Jugendstil ist eine kunstgeschichtliche Epoche um 1900, deren Kennzeichen ein dekorativer Stil mit geschwungenen und stilisierten floralen Elementen ist. In München begann der Jugendstil mit dem Entwurf eines bestickten Wandbehangs, dem Peitschenhieb von Hermann Obrist 1895. Damit wurde eine für die Münchner Kunst- und Kulturgeschichte höchst produktive und international beachtete Dekade eröffnet und München als wichtigste Kunststadt Europas nach Paris etabliert. Weitere Münchener Gebäude im Jugendstil findet man vor allem außerhalb der ehemaligen Stadtmauer in Stadtteilen wie Bogenhausen, Neuhausen und Schwabing.