2004 – 2006

Bunnyhill – Intervention
der urbanen Wirklichkeit

Theaterpädagogik

Bunnyhill 2006

Die Münchener Kammerspiele tun es immer wieder: Sie wagen künstlerische Experimente, politische Statements oder technische Innovationen. Sie waren auch Vorreiter in ganz Deutschland als sie 2004 und 2006 in München soziale Intervention unter dem Motto Bunnyhill betrieben. Das Projekt setzte sich mit der urbanen Wirklichkeit in München auseinander.

Bunnyhill 2004: Das Hasenbergl kommt in die Maximilianstraße
Die Grenze zwischen Zentrum und Peripherie wurde aufgebrochen. Gegenstand des Projektes waren unter anderem die Untersuchung von Vorurteilen sowie der Abbau der Distanz zu dem berühmt-berüchtigten Problemviertel Hasenbergl, das in den Köpfen vieler Münchner als Ghetto wahrgenommen wird. Acht Wochen lang haben die Kammerspiele mit über 80 Veranstaltungen ganz München eingenommen und künstlerisch transformiert. Künstler aller Sparten, soziale Aktivisten, Lehrer und Jugendliche aus Hasenbergl haben sich in Theateraufführungen, Diskussionen und Informationsveranstaltungen mit aktuellen Themen der großstädtischen Wirklichkeit beschäftigt. Im Zentrum des Projekts stand die Aufführung Ein Junge, der nicht Mehmet heißt, die vom Leben am Rande der Stadt erzählt. Ein Stück davon, wie es ist, unter verschärften Bedingungen groß zu werden.

Bunnyhill 2006

Das Projekt Bunnyhill war wegweisend, weil es nicht nur die sogenannte Subkultur in die Räume der sogenannten Hochkultur gebracht hat, sondern zum Ziel machte, das am Rande mit Skepsis betrachtete Zentrum an die Peripherie zu bringen; die Hochkulturinstitution Staatstheater für neue Publikumsschichten zu öffnen. Björn Bicker, der damalige Dramaturg und einer der treibenden Kräfte bei Bunnyhill, resümiert im Interview mit dem Bayerischen Rundfunk:

„Hinter Bunnyhill stand die Absicht, ein Stück abzugeben vom eigenen Kuchen, den Raum nicht nur zu öffnen für andere Schichten, sondern diese auch das Theater ein Stück weit in Besitz nehmen zu lassen, kulturelle Teilhabe zu ermöglichen, auch durch das Teilen von Mitteln und Möglichkeiten, die ein subventioniertes Haus wie die Münchner Kammerspiele bietet.“

Bunnyhill2 2006: Wem gehört die Stadt?
Nachdem das erste Projekt das Verhältnis von Rand und Mitte verhandelt hatte, richtete sich diesmal der Blick auf den Münchner Stadtkern. Bunnyhill2 hinterfragte die anachronistische Behauptung eines Zentrums und seinen implizierten Besitzanspruch. In einer globalisierten Gesellschaft, die ihre Homogenität längst verloren hat, erscheint es unzeitgemäß, überhaupt noch von einem Zentrum zu sprechen. Das Andere, das Fremde, das Unerwartete ist längst nicht mehr nur noch an den Rändern zu finden. Es ist überall präsent, relativiert sich selbst unentwegt.

Theater geht in die Stadt
Die Münchner Kammerspiele verließen ihr eigenes Zentrum, das Theater, und entwarfen eine neue temporäre Topografie des Münchner Zentrums. Am Karlsplatz wurde der Hafen Münjing gebaut. Die Münchner wurden einem Fantasiespiel zum Potenzial und der Urbanität ihrer Stadt überlassen. In sechs Wochen wurden in innovativen und mutigen Aktionen, Interventionen und Performances Utopien von städtischem Lebensgefühl entworfen und Gegenwelten zu Bestehendem geschaffen. Bunnyhill2 steht für eine andere Relevanz des Theaters, weil es sich sowohl über den Ort als auch über die Menschen mit der Stadt verbindet, in der es entsteht.