2012

Axel Milberg – ein Gespräch
mit dem Schauspieler

Interview

Axel Milberg wurde 1956 in Kiel geboren und machte seine Schauspiel­ausbildung an der Otto-Falckenberg-Schule. Nach seiner Ausbildung wurde er 1981 von Dieter Dorn als fester Ensembleschauspieler engagiert und blieb an den Kammerspielen bis 1998. Heute arbeitet Axel Milberg hauptsächlich als Schauspieler für Film und Fernsehen.

Axel Milberg, fotografiert von Christian Schoppe

Herr Milberg, wieso zogen Sie da­mals für ihre Schauspielaus­bildung aus Kiel nach München?
Ich wollte Schauspieler werden und vor­her ein bisschen Theaterwissen­schaften studieren. In Kiel konnte ich das nicht machen, Hamburg war zu nah und Berlin noch eine Insel. München kannte ich bereits von einer Durchreise und es gab eben die Otto-Falckenberg-Schule.

Was wussten Sie vor ihrer Zeit in München über die Kammerspiele?
Ich muss zugeben, dass ich fast nichts wusste. Mit der Falckenberg-Schule bekam ich dann allerdings sofort eine Nähe zu den Kammerspielen wie sie Ende der 70er, Anfang der 80er Jahre waren. Und auch die Geschichte des Theaters hat mich dann sehr fasziniert.

Was hat Sie geschichtlich am meisten interessiert?
Zunächst einmal, dass es eine Geschichte gab. Das hat ja nicht jedes Theater. Es gibt Neugründungen, es gibt Unterbrechungen, es gibt Zerstörungen, es gibt dramatische Kontinuitätsbrüche. Die Kammerspiele haben diese „Brüche“ zwar auch in ihrer Geschichte, existieren aber schon über Jahrzehnte. Mir gefiel die Architektur, und ein Neffe von Riemerschmid (Anm. d. Red.: Architekt der Kammerspiele) war unser Fechtlehrer an der Falckenberg-Schule. Die Kammerspiele waren für mich sehr innovativ, künstlerisch, traditionsgemäß, kritisch, links und Ort vieler Neuerscheinungen. Auch die Verbindung vieler großer Namen mit den Kammerspielen wie u.a. Bert Brecht fand ich äußerst interessant und wichtig.

Nach ihrer Ausbildung an der Falckenberg-Schule wurden Sie sehr rasch Ensemblemitglied an den Kammerspielen unter Dieter Dorn. Wie ging Dieter Dorn damals auf Sie zu?
Im Oktober 1981 spielte meine Schauspielklasse an der Schauburg in München Krankheit der Jugend von Ferdinand Bruckner. Dieter Dorn kam in eine der Vorstellungen um mich anzuschauen. Sie machten mir dann ein Angebot im Herbst 1981 bis erst mal Sommer 1982. Ich hatte dann die Frechheit zu sagen: „Ich überlegs mir und sag euch dann Bescheid.“ Am 15. Dezember 1981 bin ich schließlich ins Ensemble gegangen und spielte einen jungen Ritter der Tafelrunde im Stück Merlin, das Dieter Dorn damals inszenierte.

Axel Milberg, fotografiert von Oda Sternberg

Wie waren 17 Jahre Zusammenarbeit mit Dieter Dorn?
Es war großartig, eine Offenbarung für mich! Ich habe mich von Anfang an sehr verstanden und aufgehoben gefühlt. Er war nicht so der Freund, der einem den Arm um die Schulter legte. Aber er hat mich gefördert und gefordert. Es war eine Art Unterricht auf der Bühne und im Probenraum, der nach der Falckenberg-Schule fortgesetzt wurde. Ich fühlte mich angenom­men und gewollt, und es war nachvollziehbar, was gewollt war.

Wie ist ihr Verhältnis heute zu den Kammerspielen? Was hat sich die Jahre über verändert?
Wenn ich die letzten Jahre da war, sehe ich ganz starke Veränderungen in den Kammerspielen. Eine ganz andere Art Theater zu machen und zu wollen. Die Gesellschaft hat sich verändert, die Medien, die die Gesellschaft transportieren und spiegeln, sind omnipräsent und bedrängen natürlich auch die Theaterästhetik. Stichwort „Videoinstallationen“, „Videoeinspielungen“. Die Prosaliteratur ist ein großer Steinbruch für die Theater geworden und immer mehr Romane und Erzählungen finden Einzug in die Theaterprogramme. Das war früher anders: da war ein Theaterstück ein Theaterstück.

Ist das eine positive oder eher eine negative Veränderung?
Wenn mich der Theaterabend fasziniert, ist es mir wurscht, wie er zustande gekommen ist. Die Mittel des Theaters sind vielfältig und es gibt immer wieder eine Rückbesinnung, was denn speziell Theater bedeutet.

Was wünschen Sie den Kammerspielen für die nächsten 100 Jahre?
Ein volles Haus, ein junges, kritisches Publikum, die Regisseure, die die Magie der Bühne erkennen und eine unverwechselbare Theaterarbeit, von der man sagt, das gibt es nur in München.


Herr Milberg, was wünschen Sie den Kammerspielen für die nächsten 100 Jahre?

Bitte aktiviere JavaScript, um dieses Element anzuzeigen.