1963 – 1973

August Everding –
„Cleverding“

Intendanz

„Kunst ist kein Luxus, sondern eine Notwendigkeit“
(August Everding)

Der Mann, der in den 60er Jahren Intendant der Kammerspiele war, ist aus der Theateröffentlichkeit Münchens nicht wegzudenken. Seit er an der Ludwig-Maximilians-Universität Philosophie, Germanistik und Theaterwissenschaft studierte, ist er regelmäßig an den verschiedensten Institutionen und Theatern in Erscheinung getreten. August Everding wurde am 31. Oktober 1928 in Bottrop geboren. Als Sohn eines katholischen Propsteiorganisten lernte er Klavier, Orgel und Flöte.

August Everding, der jüngste Regisseur der Münchner Kammerspiele

Nach dem Studium, das er zunächst in Bonn (Germanistik, Philosophie und Theologie) begonnen und später in München fortgesetzt und abgeschlossen hatte, begann er zum Thema Die Personifikation des Todes im Drama bei Prof. Dr. Hanns Braun zu promovieren, setzte seine Forschungen jedoch nicht weiter fort, da er zeitgleich an den Münchner Kammerspielen arbeitete: Zunächst 1955 als Regieassistent, u.a. bei Fritz Kortner und Hans Schweikart, von denen er wichtige Impulse für eigene erste Regiearbeiten erhielt: z.B. Peterchens Mondfahrt von Gerdt von Bassewitz, 1956 Der Regenmacher von Richard Nash.

Weitere Inszenierungen von Borchert, Shaw und Hildesheimer folgten. 1959 wurde er Oberspielleiter und 1960 Schauspieldirektor und stellvertretender Intendant. Über seine Anfänge als Regisseur sagte er in seiner Abschiedsrede an die Mitarbeiter der Kammerspiele im April 1973: „Als ich dann Regie führte in dem Asmodi-Stück Pastorale, erzählte ich Schweikart stolz von meinem einzigartigen, grandiosen, erstmaligen Einfall, nach Abgang des Hauptdarstellers dessen Weg filmisch weiter zu verfolgen. Ich erzählte das mit dem gebührenden Stolz und einer gefälligen Selbsteinschätzung. Schweikart blieb ganz ruhig und als ich zum drittenmal betonte, es wäre etwas ganz Neues, erwiderte er: Ja, August, das hat 1928 Piscator, 1932 Liebeneiner, 1934 Käutner gemacht, das kannst du wieder mal machen.“

Das Amt des Schauspieldirektors hatte er drei Jahre lang inne und fiel immer wieder mit erfolgreichen Inszenierungen auf, bis er 1963 zum Intendanten ernannt wurde. Im selben Jahr heiratete er die Ärztin Gustava von Vogel. Unter seiner Leitung wurden Stücke von Max Frisch und Jean Paul Sartre uraufgeführt. Da er sich nach seiner ersten Opernregie 1965 (La Traviata von Giuseppe Verdi an der Bayerischen Staatsoper) verstärkt diesem Gebiet widmete, verließ er nach zehnjähriger Intendanz und zahlreichen erfolgreichen Inszenierungen an internationalen Opernhäusern die Kammerspiele, um Intendant der Hamburgischen Staatsoper zu werden.

Schon 1977 kehrte er als Intendant der Bayerischen Staatsoper nach München zurück und wurde 1982 Generalintendant der Bayerischen Staatstheater (Bayerische Staatsoper, Staatsoper am Gärtnerplatz und Bayerisches Staatsschauspiel). Er setzte sich für die Restaurierung des Prinzregententheaters ein (das 1988 in der sogenannten „kleinen Lösung“ und 1996 in vollem Umfang wiedereröffnet wurde), regte die Einrichtung einer Regieklasse an der Münchner Musikhochschule an, setzte sich für die Gründung des Bayerischen Staatsballettes und der Bayerischen Theatertage ein und erreichte die Sanierung der Bühnentechnik des Nationaltheaters.

Seit 1989 war er Präsident des Deutschen Bühnenvereins und trug ab 1993 den Titel des Staatsintendanten. Im selben Jahr gründete er die Bayerische Theaterakademie, die er einige Jahre als ihr Präsident leitete. 1997 übernahm Everding die künstlerische Gesamtleitung des Deutschen Pavillons auf der Expo 2000 in Hannover. Am 26. Januar 1999 starb August Everding in München an einem lange geheim gehaltenen Krebsleiden.

In seinen langen Jahren als Theaterschaffender wurde er mit mehreren Auszeichnungen geehrt: u.a. erhielt er 1984 das Bundesverdienstkreuz I. Klasse und den Bayerischen Verdienstorden, 1987 den Orden wider den tierischen Ernst, 1988 den kulturellen Ehrenpreis der Stadt München, 1988 den Bambi, 1995 den Europäischen Medien- und Kommunikationspreis Oxford, 1996 das Silberne Blatt der Dramatiker Union und die Bayerische Verfassungsmedaille.