1926

„Atemberaubend!“ – die
Presse zum Neustart

Presse

„Atemberaubend! Gewaltiger Auftakt!“ -
Die Presse zum Neustart der Kammerspiele in der Maximilianstraße

Mit Georg Büchners Dantons Tod eröffnen die Kammerspiele im September 1926 die Spielzeit 1926/27 erstmalig im Schauspielhaus in der Maximilianstraße. Umzug, Saisonbeginn und Neustart, so die Pressestimmen, bildeten den Auftakt für ein viel versprechendes Programm auf hohem Niveau, das sich auch auf die anderen Theater der Stadt auswirken, diese aufrütteln und das ein oder andere Haus gar neu justieren werde. Der Autor des Artikels zum „Beginn der Münchener Kammerspiele“ am 22. September in der Morgen-Ausgabe der Vossischen Zeitung, der in kompletter Länge hier abgedruckt ist, feiert Büchner, Falckenberg, das neue Haus und einen jungen Neuzugang, der auch später (als Schauspieler, Regisseur und Sprecher) noch von sich reden machen würde: Kurt Lieck.

Vossische Zeitung, Nr. 448 (Morgen-Ausgabe), Mittwoch, 22. September 1926

„Beginn der Münchener Kammerspiele. Aus München wird der „Vossischen Zeitung“ geschrieben: Die Münchner Kammerspiele haben im Schauspielhaus, ihrem neuen Heim, die Wintersaison mit Georg Büchners atemraubender Tragödie Dantons Tod eröffnet. Dieser Beginn mit Büchner ist die Ankündigung eines Programms und der Auftakt war von so gewaltiger Wirkung, daß alle Hoffnungen berechtigt erscheinen, die man für Falckenbergs Schaffen, in dem die alten Kammerspiele räumlich und bühnentechnisch weit hinter sich lassenden neuen Hause hegen darf. Die Bilder rasten über die Bühne mit dem Sturmatem der Revolution, die, aus Hingabe an das Vaterland und aus Menschenliebe geboren, unter den Händen der vom Blut Berauschten im Blut zu ersticken droht.

Das war so wenig gemacht wie Büchner etwa seine Szene nur gemacht hat. Das Erlebnis rührte an die Herzen und riß sie mit sich fort. Wenn der General-Intendant der Staatstheater unter den Zuschauern war – und wir hoffen es – so mag es ihm um sein allzu zahm-bürgerliches Repertoire und den hofrätlich gesetzten Geist überhaupt, der in seinen Schauspielern waltet, einigermaßen bange geworden sein. Hier konnte er sehen, wie man für Atmosphäre sorgt, wie stürmende Massenszenen sich aufbauen, wie der kleine Raum der Bühne zum weiten, den Erdball erschütternden National-Konvent wird. Die Darstellung jagte von Höhepunkt zu Höhepunkt. Neue Kräfte stellten sich vor. Von ihnen sei besonders der junge, aus Karlsruhe hierher verpflichtete Kurt Lieck als Danton genannt, der zumal in seiner großen Verteidigungsrede eine höchst vollendete Leistung bot. (Dr. R. A. )“